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Chinesischer Schriftzug G.H.T.K.A.

独逸白鶴手拳法古武術協会

doitsu hakuchuu ti kenpo kobujutsu kyokai – G.H.T.K.A.

Kyan / Chan

喜屋家庭

Kyan Chofu

Glas

Kyan Chōfu's richtiger Name im okinawanischen Dialekt Uchināguchi 沖縄口 lautet Chan Chūfu 喜屋朝敷 調布, er war aber auch unter Shô Ishin 向維新 bzw. Xiàng Wéixīn. Er stammte ursprünglich aus einem Zweig der Mutubu Udun Familie本部御殿家. Sein chinesischer Name war Kōishin, sein Rang Uēkata [jap.: Oyakata] 親方 und sein offizieller Titel während des Ryūkyū-Königreichs Chan Uēkata Chūfu.

Als Chūfu 19 Jahre alt war (nach japanischer Zählweise 19, tatsächlich 17), wurde er von der kinderlosen Chan-Familie (aus der Chan-Burg 喜屋武城) im heutigen Uruma 宇流麻 (früher Gushichā, 具志川; später Gushikawa, 具志川) adoptiert. Der Grund dafür war, daß die erste Frau der Mutubu Udun Familie aus der Chan-Familie stammte und die Mutubu Udun Familie selbst der Blutlinie Chan's angehörte.

Sein Vater, Mutunaga Chūyū (Motonaga Chōyō) 本永朝庸, war der zweite Sohn der Familie Motonaga und soll am Hofe von Sui 首里 nicht viel Erfolg gehabt haben, aber ich denke die dürftige Geschichtsschreibung übersieht hier einiges. 1833 wurde er ‚Diener‛ von König Shō Kō 尚灝, 1846 war er ‚Diener‛ von König Shō Iku 尚育, 1848 ‚Diener‛ von König Shō Tai 尚泰 und bis zum Ende des Königreichs dessen ‚Kammerdiener‛. Was immer man unter ‚Diener‛ verstehen mag (sofern die Übersetzung korrekt ist) und mag er als solcher begonnen haben, am Ende war er wohl eher ‚Stabschef‛ des Königs statt ‚Kammerdiener‛. Die Diener Usubashi 御側仕 und Begleiter Uchinju や近習 waren die engsten Berater des Königs. Drei Generationen von Königen als Berater zu dienen, deutet auf besondere Fähigkeiten hin. Es sei erwähnt, daß auch Machūmura Shūkun diesen drei letzten Königen diente. Die Familie Chan war eine feudale Herrenfamilie von Ryūkyū. Die aufeinanderfolgenden Familienoberhäupter wurden zum Uēkata ernannt, dem höchsten Rang unter den Samurē サムレー bzw. Yukatchu 良人. Die Familie genoß hohes Ansehen, einige ihrer Mitglieder wurden sogar zu Verwaltungschefs, den Sanshikan 三司官.

Chūfu spielte seine wichtigste Rolle, als bedeutender Aristokrat, in den letzten Jahren des Königreiches.1872 wurde Chūfu, damals Mitglied im Sanshikan, zum Sekretär (Nichô núshìdòrí ニ頂主取 oder Sangikan 算木漢) einer Gesandtschaft nach Tokyo ernannt, die offiziell entsandt wurde, um dem Meiji-Kaiser zur Restauration der kaiserlichen Herrschaft zu gratulieren. Nach dem Sturz und der Annexion des Königreichs durch Japan wurde Chan Verwalter im Tokyoter Anwesen der Shō-Familie, der ehemaligen Königsfamilie von Ryūkyū.

Nachdem das feudale Königreich, durch den Meijitennō ㍾天皇 abgeschafft wurde die Königsfamilie nach Edo 江戸 (1868 in Tôkyô 東京都 umbenannt), geholt (zur besseren Kontrolle, aber auch als eine Art Abfindung, faktisch bezahlter Ruhestand). Für Chūfu bedeutete dies eine Beförderung zum Kāfù 家富 und ebenfalls einen Umzug mit dem Hause Shō, da er offenbar absolut loyal war und immenses Vertrauen genossen haben muß. Er blieb bis zum 32. Meiji-Jahr 明治三二年 in Tôkyô und kehrte dann in seine Heimat zurück. Einige Jahre später, nach seiner Rückkehr nach Ryūkyū, spielte Chan eine bedeutende Rolle als Hofbeamter bei der Betreuung und dem Umgang mit Matsuda Michiyuki 松田道之, dem von der Meiji-Regierung 明治 ernannten Hauptbeamten für die Eingliederung der Ryūkyū in Japan. Er bekleidete er das Amt des Gōsei no Ue 御锁の侧 und gehörte damit zu fünfzehn namentlich genannten Beamten.

Die Abschaffung der Feudalherrschaft hatte ein drastische Verarmung des Adelsstandes und seiner Bediensteten zur Folge, nicht für Chūfu. Er bezog als Shō-Bediensteter die ganze Zeit ein stattliches Gehalt und außerdem hatten die Chan's, seitens des Meijitennō, einen Anspruch auf Goldstipendien in Form von Staatsanleihen. Anders als auf der japanischen Hauptinsel, wurden die Stipendien auf Ryūkyū nicht ausbezahlt, die Anleihen auf Staatsgold sollten separatistische, als auch China-affine Bemühungen der Adelsschicht und Ritterschaft, welche sich gegen die Annexion stellten, besänftigen, in dem sie den Lebensstandard der wichtigsten Familien erhielten.

Trotz der finanziellen Ausstattung oder vielleicht wegen ihr, startete Chūfu einen Handwerksbetrieb für die Herstellung von Sàńsíń 三線. Er verkaufte sein Elternhaus in Jibū (jap.: Gibo) 儀保 und zog nach Kuninda 久米村.

Er war ein äußerst begabter Handwerker, insbesondere im Shamisenbau. Man sagt, daß er selbst in seinem späteren, zurückgezogenen Leben im Dorf Kume weiterhin Shàmíséń baute. Politisch war er jedenfalls nicht besonders aktiv. Doch seine einzige Stärke, sein Kanme, ermöglichte es ihm stets, wichtige Positionen zu bekleiden. Kurz gesagt, er war ein Mann des Kanme, ein Mann von Ansehen.

(S[h]àmíséń ist der japanische Begriff für die Sàńshíń, der Bericht war für das japanische Publikum bestimmt.) Da Chūfu die Sàńshíń herstellen konnte, konnte er sie, wie jeder Instrumentenhersteller, auch spielen. Das Erlernen des Eisā und der klassischen Ryūkyū-Musik war für die Kinder der Oberschicht unerläßlich. Es nicht ungewöhnlich, daß er später selbst Musikinstrumente herstellte. Der Wohnsitz der Familie Chan befand sich in Gibu 儀保, Suī 首里. Nach seiner Rückkehr verkaufte Chūfu jedoch sein Elternhaus und ließ sich im Dorf Kuninda 久米村 nieder. Kuninda ist war ein Dorf im Hafen von Nāfa 那覇 und nicht weit vom geschäftigen Zentrum entfernt, daher war es eine günstige Wahl für einen Geschäftsstandort. Shō Kyū 尚 久 dürfte Chūfu noch als Kind persönlich gekannt haben, seine Aussage, daß er politisch nicht aktiv war, scheint mir eine Schutzbehauptung gewesen zu sein, denn er erwähnte, daß er trotzdem ‚wichtige‛ Positionen bekleidete (Widerstand?).

Conclusio

Chūfu war ein extrem wichtiger Mann als Beamter des Königs und danach. Er war hochrangig adlig und zeitlebens angesehen. Er stellte ein Musikinstrument her, daß Mutubu Chūyū 本部朝勇 nachweislich, sehr häufig spielte. Dieses Instrument wurde beim Eisā-Tanz gespielt, der Eisā ist die Grundlage des „Tanzes der Krieger“. Chūfu stammte aus dem Mutubu-Clan, ihm war das Mutubu udun dī 本部御殿手 sicher bekannt. Er war mit Sicherheit ein führender Kampfkunstexperte.

Kyan Chotoku

Glas

Kyan Chōtoku, in seiner Muttersprache Chan Chūtuku 喜屋武朝徳 genannnt, war der dritte Sohn Chūfu's. Chūtuku war aufgrund seiner Frühgeburt als Kind sehr klein, dünn und schwächlich, hatte Asthma und war häufig bettlägrig. Er litt, von Geburt an, vermutlich an Miosis, was zu seinem frühen Spitznamen Chan Migwa ミーグヮー (Schlitzaugen-Chan) führte und trägt auf jedem Bild eine Brille mit Stärke eines Aschenbecher.

Sein Vater unterrichtete ihn zeitig im Tīgumi 手組 um ihn widerstandsfähiger zu machen, dabei muß er mit seiner übermäßigen väterlichen Strenge gescheitert sein, deshalb bat er die Leibwächter des Königs, welche faktisch seine Untergebenen waren, die Ausbildung seines Sohnes zu übernehmen. Somit hatte Chūtuku, ab diesem Moment, eine ganze Heerschar von exzellenten, aber auch unnachgiebigen Lehrern. Er lernte also mindestens von Machūmura Shūkun, (siehe auch Àsátù), (siehe auch Itosu & Tanghand)), sowie Arakàchi Shīshū (siehe auch Arakàchi. Dort blieb er neun Jahre (alternative Angabe sprechen von vier Jahren, vom 12. bis zum 16. Lebensjahr, 1882-1886). Da auch im Exil, zum inneren Kreis von Shō Tai natürlich immernoch Machūmura gehörte, ist davon auszugehen, daß er neun Jahre intensiven Unterricht bei diesem hatte. Es deutet alles daraufhin, da er sofort nach seiner Heimkehr anfing, bei Machūshira Chūsaku松茂良興作, einem Schüler und engen Freund Machūmura's und Uyadumaī Chūkan親泊興寛, beides Schüler (und vermutlich Brüder oder nahe Verwandte) von Uku Karyu (Uku Jikū, Uku Gikō) und Teruya Kishin親泊興寛. Uyadumaī lernte 抜塞, Rūhai 鷺牌, 腕秀, Nèifànchi 内畔戦 内範置 und gab diese an Chūtuku weiter. Von Machūshira lernte Chūtuku mindestens die Chintō 鎮東.

Im Alter von ungefähr dreißig Jahren war er der absolute und uneingeschränkte Meister des Tūdī唐手 oder vielleicht besser: des Suīdī 首里手 und Tumaīdī 泊手. Dennoch lernte er erst in diesem Alter die Wansū oder ihre Tumaī-Version von Maeda Pēkumi Ginin 前田親雲上議因, der ein Schüler von Machūshira und Machūmura war. Zehn Jahre später wollte er die Tukumine nu kun 徳嶺之棍 erlernen oder perfektionieren und reiste deshalb auf die Insel Yēma 八重山列島諸島. Dort angekommen erfuhr er, daß Tukumine bei einem Kampf mit einem Polizisten umgekommen war, der Verwalter der Insel bot ihm an, ihn anstelle Tukumine's zu unterrichten.

Um 1918 lebte Chūtuku in Suī und war Mitglied im Tuīdī Kenkyūkai 唐手研究会, aber nicht sonderlich aktiv, da er (verständlicherweise) nicht der Ansicht war, Karate der Öffentlichkeit preiszugeben. Ihm paßten die Verfälschungen nicht und er kannte sie alle, deshalb beteiligte er sich auch nicht am Austausch von Kata oder anderem Wissen der anderen Mitglieder, sondern setzte seine Energie ein um die Ursprünglichkeit zu bewahren und trat ca. 1936/37 wieder aus.

In den zwanziger Jahren hatte er kein angenehmes Leben, aus wirtschaftlichen folgten familiäre Probleme. Er trennte sich von Frau und Kind und zog zu seiner Geliebten nach Kadina 嘉手納町 im Distrikt Chatan (nrk.: Kitatan) 北谷 auf der Halbinsel Yuntan 読谷村.

In diesen Jahren und dieser Gegend soll er die Kūshankū 公相君 gelernt haben. Ich bin mir sicher, das er die Kūshankū schon lange kannte, die Leibwächter des Königs hatten ihm bestimmt verschiedene Versionen beigebracht. Weiterhin schreiben die meisten Autoren, er hätte die Kūshankū von einem gewissen Chatan Yara gelernt und manche setzen diesen mit dem Chatan Yara 北谷屋良 der Schüler von Gōng Xiāngjūn 公相君 selbst war. Nun dieser lebte 1668–1756, der Chatan Yara, der Chūtuku unterrichtete, hatte den selben Sptznamen, denn nichts anderes ist dieser Name, der einen Herrn Yara aus dem Dorf bzw. der näheren Umgebung von Chatan benennt. Dies gilt auch für den berühmten, älteren (Spitz-)Namensvetter. Das bedeutet nicht, daß es nicht durchaus eine Familie namens Chatan dort gab, die ihrem Dorf ihren Namen verlieh. Es ist sogar möglich, ja sogar wahrscheinlich, daß Chūtuku's Lehrer ein (Ur-)Enkel war und deshalb in der Lage war diese Version zu unterrichten. Im Gegensatz zu Machūmura unterrichtete Yara z.B. Seitwärtstritte.

Im Alter von sechzig reist Chūtuku, in Begleitung von den Herren Kuwa(i) Ryūshi 桑江良生 und Kudaka Seichi 久高開祖 聖地, nach Taiwan 臺灣, um an einer Veranstaltung teilzunehmen. Er hatte dort wohl ein ganze Reihe von Bekannten, die nach der Abschaffung des Königreiches und der darauf folgenden, schlechten wirtschaftlichen Lage, dorthin auswanderten. Er hielt sich wohl länger, als geplant auf Taiwan auf und soll einige Lehrer aufgesucht haben. Darunter soll Chinen Sanda 知念三田 gewesen sein, der ihn in den Stockkampf des Yamaneryū 閩語 (siehe Oshiro, Tsunami).

Weiter heißt es, er kreierte nach seiner Rückkehr die Kata Anaku 安南空. In der Beschreibung dieser Kata heißt es:

Anaku dient dazu, zwei Prinzipien zu lehren: den Wechsel von Kiba Dachi zu Zenkutsu Dachi und zurück zu Kiba Dachi sowie T'ung Gee Hsings Prinzip des Hämmerns, bei dem man mehrmals auf denselben Punkt schlägt.

Dieser Hinweis verleitet mich zu der Annahme, daß Chūtuku auf Taiwan etwas sah, was ihn an seinen Lehrer Ichiji Ankū erinnerte (? / Xíngyìchuán / Kiba Dachi?), so daß er sich genötigt sah, eine Kata (um-)zu formen, die er nicht Anaku, sondern Ankū 安空 taufte, nach seinem Lehrer, aber mit anderen Schriftzeichen.

Ein, zwei Jahre später begann Chūtuku an der Landwirtschaftlichen Oberschule Kadena 嘉手納農芸高等学校 öffentlich Karateunterricht zu geben - irgenwie mußte er seinen Lebensunterhalt bestreiten. Er lehrte das Meiste so, wie er es erlernt hatte und legte großen Wert darauf, allerdings änderte er den Fauststoß in den typischen Korkenzieherfauststoß.

Das einzig verbriefte Jahr in Chūtuku's Leben war sein letzter öffentlicher Auftritt zur Einweihung des ersten Dōjō 道場 von Nagamine Shōshin 長嶺将真 1943.

In diesen Jahren trat der ursprüngliche Zweck der Annexion Ryûkyû's durch die Japaner zutage, die Rekrutierung junger (nicht wirklich japanischer) Männer zum Militärdienst in den besetzten Gebieten in Indochina 聯邦東洋 und der Mandschurei 滿洲. Chūtuku überlebte zwar die Operation Iceberg (umgspr.:Schlacht um Okinawa), 1 April – 22 June 1945 沖縄戦, das nur noch in seiner Muttersprache Uchinā hieß, sowie das Ende des WWII, aber starb noch noch im gleichen Jahr. Die Kampfkunsthistoriker schreiben stets von Untererährung und seinem schlechten Gesundheitszustand und erzählen sogar er gab aus Mitleid seine Essensrationen an Kinder weiter, aber das stimmt mit Sicherheit so nicht. Er war ein Uchinānchu, außerdem von königlichem Geblüt und Sohn des höchsten Uēkata am ehemaligen Hof, der letzte lebende, vollumpfänglich ausgebildete Tūdī-Experte, auf das Niveau eines Almosenempfängers reduziert, seiner Schüler beraubt, was war der einzige Weg? - Der Tod. Sich selbst durch Hungern aus dem Leben zu räumen, war ein ehrbarer und oft genutzter Weg, wenn man kein Schwert hatte und er hatte keins. Er entschied sich für den Selbstmord durch HUngern, deshalb gab er seine Rationen den Kindern, der anfangs kränkliche Schwächling starb wie seine Vorbilder, als willenstarker Mann.

Sukunaihayashi

Glas

Chan Chūtuku, Kyan Chōtoku begründete nie wirklich einen eigen Karatestil, er nannte das, was er lehrte Sukunai hayashi 尠林. Es wird auch von seinen Nachfolgern als Shàolín 少林 gelesen. Das ist es aber nicht, was er meinte, man bedenke, daß seine Muttersprache von den Japanern unerwünscht und schon einige Jahrzehnte aus dem Gebrauch verschwand. Sowohl das Wort als auch das Schriftzeichen sukunai bedeutet nicht so klein bzw. letztendlich, das heißt was er verkörperte war der Nicht so kleine Hain oder das letzte Wäldchen.

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