Jūdō bedeutet wörtlich „sanfter/flexibler Weg“ (Zusammensetzung aus jū lit. „sanft“, fig. „nachgiebig“, „flexibel“ und dō lit. „Weg“, fig. „Art und Weise“, „Sinn“). Im Japanischen wird der Wortanfang wie im Englischen ausgesprochen (dʒɯːdoː). Im Deutschen lautet die Aussprache zumeist [ˈjuːdo], im österreichischen Deutsch jedoch überwiegend [ˈdʒuːdo].
Anfangs wurde die von Kanō gegründete Kampfsportart noch Jiu Jitsu genannt; erst Anfang des 20. Jahrhunderts setzte sich die Bezeichnung Jūdō durch. Deshalb findet man in der frühen Literatur, die im Westen publiziert wurde, den Begriff Jiu Jitsu, um das heute verbreitete Jūdō zu beschreiben. Da die westlichen Jiu-Jitsu-Schulen anfangs nur losen Kontakt mit der Kōdōkan-Organisation in Japan hatten, entwickelten sich dort spezielle Techniken. Die meisten der ursprünglichen Jiu-Jitsu-Schulen wurden später offizielle Jūdō-Schulen; in vielen Schulen wurde parallel dazu auch das ursprüngliche Training unter der Bezeichnung Jiu Jitsu fortgesetzt.
Jūdō, wörtlich „sanfter Weg“, ist eine unbewaffnete moderne japanische Kampfkunst, Kampfsportart, seit 1964 olympische Sportart und die bekannteste Form des Jackenringens, an der international teilgenommen wird. Jūdō wurde 1882 von Kanō Jigorō als vielseitige Kampfkunst geschaffen und unterschied sich von seinen Vorgängern (vor allem Tenjin Shinyōryūjūjutsu und Kitōryūjūjutsu) durch die Betonung von „Randori“ anstelle von Kata sowie durch den Verzicht auf Schlag- und Waffentrainingselemente. Jūdō erlangte Bekanntheit durch seine Dominanz gegenüber etablierten Jūjutsu-Schulen bei Turnieren, die vom Tokyo Metropolitan Police Department veranstaltet wurden, was dazu führte, dass es als primäre Kampfkunst des Ministeriums eingeführt wurde. Ein Jūdō-Praktizierender wird „Jūdōka“ genannt, und die Jūdō-Uniform wird „Jūdōgi“ genannt.
Die Jūdō-Philosophie basiert auf zwei Grundprinzipien: „Seiryoku zenyō“ und „Jita kyōei“. Die für das Jūdō entwickelte Philosophie und Pädagogik wurden zum Vorbild für andere moderne japanische Kampfkünste, die sich aus dem Koryū entwickelten. Jūdō hat weltweit auch eine Reihe abgeleiteter Kampfsportarten hervorgebracht, wie zum Beispiel brasilianisches Jiu-Jitsu, Krav Maga, Sambo. Jūdō beeinflusste auch die Entwicklung anderer Trend-Kampfstile wie Mixed Martial Arts (MMA), Shoot Wrestling und Submission Wrestling.
Ich werde diesen Artikel bei Gelegenheit fortführen ...
Ursprünge
Die Wurzeln des Jūdō reichen bis in die Nara-Zeit zurück. In den beiden damaligen Chroniken Japans, dem Kojiki und dem Nihonshoki, gibt es Beschreibungen von Ringkämpfen, die mythischen Ursprungs sind. Seit 717 fanden am Kaiserhof alljährlich Preisringen statt, an denen Ringer aus allen Provinzen teilnahmen. Dieses Ringen wurde Sumai no sechi genannt. Die Bushi griffen dieses Sumō auf und entwickelten daraus das Yoroi kumiuchi.
Mit dem Aufstieg der Kriegerklasse Ende des 12. Jahrhunderts erlebten die Kampfkünste einen starken Aufschwung. Das kulturelle Geschehen wurde immer mehr vom Geist der Bushi bestimmt. In dieser Zeit entwickelten sich die Ursprünge des legendären Ehrenkodex’, der später von Nitobe Inazō als Bushidō beschrieben wurde.
Im Japan der Ashikaga-Epoche (1136–1568) entwickelten sich unterschiedliche waffenlose Nahkampfsysteme: Eine Variante war Kogusoku. Diese Kampfart war nach den in dieser Zeit neu entwickelten leichteren Rüstungen benannt. In der Literatur und den historischen Dokumenten aus dieser Zeit finden sich weitere Nahkampfsysteme wie Tai-Jutsu , Torite, Koshi no Mawari, Hobaku, Torinawajutsu.
In der Mitte des 16. Jahrhunderts führten die Portugiesen die Schusswaffen in Japan ein und die Kriegskünste – Bugei mit Schwert, Pfeil und Bogen – verloren auf dem Schlachtfeld an Bedeutung. Ihre Traditionen wurden aber in der Edo-Zeit fortgeführt und im Sinne des Prinzips Bunbu ryōdō (literarische Bildung und militärische Praxis) zur Pflicht gemacht.
Für das Prinzip des Nachgebens Juy in der Kampfkunst gibt es verschiedene Einflüsse, Erklärungen, Legenden und Anekdoten: Im Konjaku monogatarishū findet man zum ersten Mal den Begriff yawara (weich) im Zusammenhang mit einer Geschichte über das japanische Ringen. Stark waren sicherlich auch die chinesischen Einflüsse, denn seit der Ashikaga-Epoche wurde offiziell der Handel mit China aufgenommen und bis zum Ende des 16. Jahrhunderts immer weiter ausgedehnt.
Über die Entstehung des Jiu Jitsu existieren unterschiedliche Berichte, die einen legendenhaften Charakter haben. Ihr historischer Wahrheitsgehalt ist schwer nachzuweisen. Die poetisch schönste ist sicherlich die Legende des Arztes Akiyama Yoshitoki Shirobei aus Hizen, der in China Medizin und die Kunst der Selbstverteidigung studiert haben soll. Wieder in Japan, zog er sich in einen Tempel namens Dazai-Tenjin zurück. Der Überlieferung nach war es Winter, und am 21. Tag im Tempel setzte starker Schneefall ein. Er betrachtete die Bäume; ihm fiel auf, dass viele Äste unter der Last des Schnees brachen, die des Weidenbaums aber wegen ihrer Elastizität nachgaben und den Schnee abgleiten ließen. Auf Grund dieses Vorgangs soll der Arzt Shirobei das Prinzip des „Jū“ – Nachgebens – in der Kampfkunst eingeführt haben. In der ersten Hälfte der Edo-Epoche (17./18. Jahrhundert) entwickelten sich unzählige Jiu-Jitsu- oder artverwandte Schulen – japanisch Ryū.
Mit dem Ende der Tokugawa-Zeit und der Öffnung Japans kam es auch zu starken Veränderungen in der japanischen Gesellschaft. Durch die Meiji-Reform kam es zu einer Fülle von staatlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Reformen. Die japanischen Künste wurden stark zurückgedrängt, alles „Westliche“ hatte Vorrang. Doch schon zu Beginn der 1880er-Jahre gab es eine Rückbesinnung in Bezug auf die geistlichen und sittlichen Werte.
Kano Sensei
Die frühe Geschichte des Jūdō ist untrennbar mit seinem Begründer verbunden, dem japanischen Universalgelehrten und Pädagogen Kanō Jigorō, geboren als Jigorō Shinnosuke. Kanō wurde in eine relativ wohlhabende Familie hineingeboren. Sein Vater, Jirosaku, war der zweite Sohn des Oberpriesters des Shintō-Schreins Hiyoshi in der Präfektur Shiga. Er heiratete Sadako Kanō, die Tochter des Besitzers der Sake-Brauerei Kiku-Masamune, und wurde von der Familie adoptiert. Sein Name änderte sich in Kanō. Schließlich wurde er Beamter im Shogunat.
Kanō Jigorō genoss eine akademische Ausbildung und lernte ab seinem siebten Lebensjahr Englisch, Shodō und die Vier Konfuzianischen Texte bei verschiedenen Lehrern. Mit vierzehn Jahren begann Kanō sein Internat an der englischsprachigen Ikuei-Gijuku in Shiba, Tokio. Die dort weit verbreitete Mobbing-Kultur veranlasste Kanō, ein Jūjutsu-Dōjō (道場, Dōjō, Trainingsort) zum Trainieren zu suchen.
Erste Versuche, einen Jūjutsu-Lehrer zu finden, der ihn aufnehmen wollte, waren wenig erfolgreich. Jūjutsu war in einem zunehmend verwestlichten Japan aus der Mode gekommen. Viele, die die Kunst einst unterrichtet hatten, wurden gezwungen, den Unterricht aufzugeben, oder waren so desillusioniert, dass sie es einfach aufgegeben hatten. Nakai Umenari, ein Bekannter von Kanōs Vater und ehemaliger Soldat, erklärte sich bereit, ihm Kata zu zeigen, ihn aber nicht zu unterrichten. Der Hausmeister von Jirosakus zweitem Haus, Katagiri Ryūji, beherrschte ebenfalls Jūjutsu, wollte es aber nicht unterrichten, da er es für nicht mehr praktisch brauchbar hielt. Ein weiterer häufiger Besucher, Imai Genshiro von der Jūjutsu-Schule Kyūshin ryū, lehnte ebenfalls ab. Mehrere Jahre vergingen, bis er endlich einen willigen Lehrer fand.
1877 erfuhr Kanō als Student an der Universität Tokio, dass viele Jūjutsu-Lehrer gezwungen waren, alternative Karrieren einzuschlagen und häufig Seikotsu-in eröffneten. Nachdem er sich bei mehreren dieser Schulen erkundigt hatte, wurde Kanō an Fukuda Hachinosuke verwiesen, einen Lehrer der Tenjin Shin'yō-Ryū des Jūjutsu, der ein kleines Dōjō mit neun Matten betrieb, in dem er fünf Schüler unterrichtete. Fukuda soll der Technik mehr Bedeutung beigemessen haben, als der formalen Übung und damit den Grundstein für Kanōs Schwerpunktsetzung auf Randori im Jūdō gelegt haben.
Nach Fukudas Tod im Jahr 1880 erhielt Kanō, der sein eifrigster und fähigster Schüler sowohl im Randori als auch in der Kata geworden war, das Densho des Fukuda-Dōjō. Kanō entschied sich, sein Studium an einer anderen Tenjin Shin'yō-Ryū-Schule fortzusetzen, der von Iso Masatomo. Iso legte mehr Wert auf die Praxis der „Kata“ und vertraute den Randori-Unterricht Assistenten an, zunehmend Kanō. Iso starb im Juni 1881 und Kanō setzte sein Studium im Dōjō von Iikubo Tsunetoshi der Kitō-Ryū fort. Wie Fukuda legte auch Iikubo großen Wert auf Randori, während die Kitō-Ryū einen stärkeren Fokus auf Nage waza legte.
Gründung des Kodokan
Im Februar 1882 gründete Kanō eine Schule und ein Dōjō im Enshō ji, einem buddhistischen Tempel im damaligen Tokioter Bezirk Shitaya. Iikubo, Kanōs Kitō-Ryū-Lehrer, besuchte das Dōjō drei Tage die Woche, um beim Unterrichten zu helfen. Obwohl es noch zwei Jahre dauerte, bis der Tempel den Namen Kōdōkan erhielt und Kanō sein Menkyō kaiden in der Kitō-Ryū noch nicht erhalten hatte, gilt dies heute als Gründung des Kōdōkan. Er nannte seine Kunst Jūdō, da das Kanji Jū sowohl „sanft“ als auch „Nachgeben“ bedeuten kann und das Zeichen Dō ebenfalls mit „Grundsatz“ und nicht nur mit „Weg“ übersetzt werden kann.
Das Eisho-ji-Dōjō war ursprünglich ein Shoin. Es war eine relativ kleine Einrichtung mit einem 12 Jō (20,5 m²) großen Trainingsgelände. Kanō nahm sowohl einheimische als auch auswärtige Schüler auf. Die ersten beiden waren Tomita Tsunejirō und Saigō Shirō. Im August des folgenden Jahres wurde den beiden der Shodan verliehen, der erste, der je in einer Kampfkunst verliehen wurde.
Sein System bestand neben Wurftechniken aus Bodentechniken sowie Schlag-, Tritt- und Stoßtechniken, die er dem System der Kito-Ryū und der Tenshinshinyo-Ryū entnommen hatte. Dies waren traditionelle Jiu-Jitsu-Schulen, bei denen Kanō mittlerweile das Menkyo kaiden innehatte. Es war sogar eine kleine Sparte Waffentechnik (z. B. mit Schwert und Stöcken) im Curriculum vorhanden. Kanō selektierte zwar einige Techniken aus, welche dem von ihm gefundenen obersten Prinzip „möglichst wirksamer Gebrauch von geistiger und körperlicher Energie“ widersprachen. Dass er dabei aber alle „bösen“ Techniken entfernt hätte, welche geeignet sind, einen Menschen ernsthaft zu verletzen oder zu töten, ist ein weitverbreiteter Irrtum.
Im Jahre 1886 konnten Schüler Kanōs einen regulären Kampf zwischen der Kōdōkan-Schule und der traditionellen Jiu Jitsu-Schule Ryōi shintō ryū für sich entscheiden. Es wird behauptet, Kanō habe das Jūdō durchaus als ernstzunehmende Selbstverteidigungskunst inklusive Schlägen und Fußtritten konzipiert, ohne die ein Sieg über Ryoi shinto ryū nicht möglich gewesen wäre. Aufgrund dieses Erfolgs verbreitete sich Jūdō in Japan rasch und wurde bald bei der Polizei und der Armee eingeführt. 1911 wurde Jūdō an allen Mittelschulen Pflichtfach.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Kōdōkan für zwei Jahre zwangsweise geschlossen, 1947 wurde er wiedereröffnet.
Der berühmte japanische Regisseur Akira Kurosawa drehte seinen ersten Film Sanshiro Sugata 1943 über das Jūdō.
Der Weg in den Westen
1906 kamen japanische Kriegsschiffe zu einem Freundschaftsbesuch nach Kiel. Die Gäste führten dem deutschen Kaiser ihre Nahkampfkünste vor. Wilhelm II. war begeistert und ließ seine Kadetten in der neuen Kampfkunst unterrichten. Der damals bedeutendste deutsche Schüler war der Berliner Erich Rahn, der im Jahre 1906 die erste deutsche Jiu-Jitsu-Schule gründete. Weitere deutsche Pioniere im Jūdō sind Alfred Rhode und Heinrich Frantzen aus Köln. 1926 fanden in Köln im Rahmen der 2. Deutschen Kampfspiele die ersten deutschen Jūdō-(Jiu-Jitsu)-Meisterschaften statt, zu denen auch ausländische Kämpfer eingeladen waren. Von da an führte Alfred Rhode einen länger währenden Erfahrungsaustausch mit Gunji Koizumi, der mit einigen Jūdōka des Londoner „Budokwai“ an den Kampfspielen in Köln teilgenommen hatte. 1932 wurde im Frankfurter Waldstadion die erste internationale Jūdō-Sommerschule durchgeführt. Anlässlich der Jūdō-Sommerschule wurde am 11. August 1932 der „Deutsche Jūdō-Ring“ gegründet. Vorsitzender wurde Alfred Rhode. Der Begriff Jūdō setzte sich, wie schon im restlichen Europa, wo insbesondere in Großbritannien ab 1920 durch Gunji Koizumi und Tani Yukio und ab 1936 in Frankreich durch Kawaishi Mikinosuke diese Kampfsportvariante eingeführt wurde, auch in Deutschland durch. 1933 besuchte Kanō Jigorō mit einigen Schülern auf einer Europareise auch Deutschland und gab Lehrgänge in Berlin und München. Unter der Führung Alfred Rhodes wurde 1932 erstmals eine Europäische Jūdō-Union gebildet, die 1934 eine europaweit ausgeschriebene, internationale Jūdō-(Europa-)Meisterschaft im Kristallpalast in Dresden veranstaltete.
Im August 1933 wurde von den Nationalsozialisten Jūdō neben Ringen als Wettkampfvariante des Jiu-Jitsu in das Fachamt 6 – Schwerathletik – des Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen (DRL) eingegliedert und verlor damit seine Eigenständigkeit. 1936 verlieh Kanō im Namen des Kōdōkan erstmals den Schwarzen Gürtel an einen Europäer, der keine Ausbildung in Japan erhalten hatte, an den in Frankreich lebenden Jūdōka Moshé Feldenkrais. Auf seiner letzten Europareise erteilte Kanô dem in Frankreich lebenden Kawaishi Mikinosuke die Berechtigung im Namen des Kōdōkan in Europa Dan-Graduierungen zu vergeben. Nach der Überführung des Deutschen Reichsbundes in den Nationalsozialistischen Reichsbund für Leibesübungen (NSRL) 1937 wurde Jūdō weiterhin als eine Wettkampfdisziplin im Rahmen des originären Nahkampfsports Jiu Jitsu behandelt. Unabhängig von Kawaishi wurden in der NSRL-Schwerathletik eigene deutsche Graduierungsrichtlinien erarbeitet und angewendet. Entsprechend den NSRL-Richtlinien gab es nach 1938 auch einige deutsche Dan-Träger. Die letzten deutschen Meisterschaften in der NS-Zeit fanden 1941 in Essen statt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war Jūdō in Deutschland bis 1948 durch die Alliierten verboten. Nach Gründung des Deutschen Athleten-Bundes (DAB) in Westdeutschland und des Deutschen Sportausschusses (DS) in der SBZ wurde Jūdō 1949 unter Führung einiger deutscher Dan-Träger als Sportart der Schwerathletik in allen Besatzungszonen wieder zugelassen. Zunächst blieben in Ost- und Westdeutschland noch bis 1954 die Wettkampfregeln und Graduierungsrichtlinien aus der Zeit der NSRL-Schwerathletik gültig. 1950 fanden in Dresden die ersten DDR-Einzelmeisterschaften und 1951 in Frankfurt am Main die ersten deutschen Meisterschaften in der Bundesrepublik nach dem Zweiten Weltkrieg statt. Der DAB und der DS veranstalteten bis 1954 gesamtdeutsche Jūdō-Meisterschaften. 1952 wurde in Westdeutschland das Deutsche Dan-Kollegium (DDK) (Vorsitz: Alfred Rhode) und 1953 der Deutsche Jūdō-Bund (Vorsitz: Heinrich Frantzen) gegründet. In der DDR existierte seit 1952 die Sektion Jūdō im Deutschen Sportausschuß (Vorsitz: Lothar Skorning) als Vorläufer des 1958 gegründeten Deutschen Jūdō-Verbandes der DDR (DJV). Der DJV richtete 1966 die ersten DDR-Meisterschaften für Frauen aus. 1970 fanden in Rüsselsheim die ersten deutschen Meisterschaften der Frauen in der Bundesrepublik statt. 1975 in München war das Geburtsjahr der ersten Frauen-Europameisterschaften.
>
Judo gegen Jujutsu
Zentral für Kanōs Jūdō-Vision waren die Prinzipien des Seiryoku Zen'yō und des Jita Kyōei. Er veranschaulichte die Anwendung des Seiryoku Zen'yō mit dem Konzept des Jū yoku gō o seisu: Jūdō, geschrieben in Kanji.
Kurz gesagt: Widerstand gegen einen stärkeren Gegner führt zur Niederlage, während die Anpassung an den Angriff des Gegners und sein Ausweichen ihn aus dem Gleichgewicht bringen, seine Kraft verringern und ihn besiegen. Dies kann unabhängig von den relativen Kraftverhältnissen angewendet werden und ermöglicht es schwächeren Gegnern, deutlich stärkere zu besiegen. Dies ist die Theorie des Jū yoku gō o seisu.
Kanō erkannte, dass Seiryoku Zen'yō, ursprünglich als Jūjutsu-Konzept konzipiert, eine breitere philosophische Anwendung hatte. Zusammen mit dem konfuzianistisch beeinflussten Jita Kyōei prägte diese breitere Anwendung die Entwicklung des Jūdō von einem Bujutsu zu einem Budō. Kanō lehnte Techniken ab, die diesen Prinzipien nicht entsprachen, und betonte die Bedeutung der Effizienz bei der Ausführung von Techniken. Er war überzeugt, dass die Ausübung von Jūjutsu unter Beachtung dieser Ideale ein Weg zur Selbstverbesserung und zur Verbesserung der Gesellschaft im Allgemeinen sei. Er war sich jedoch der negativen Wahrnehmung von Jūjutsu in der japanischen Öffentlichkeit sehr bewusst:
Zu dieser Zeit gab es zwar noch einige Bujitsu-Experten, doch Bujitsu war im Land weitgehend vernachlässigt. Selbst wenn ich Jūjitsu unterrichten wollte, hatten die meisten Menschen inzwischen aufgehört, darüber nachzudenken. Daher hielt ich es für besser, unter einem anderen Namen zu unterrichten, vor allem, weil meine Ziele viel weiter reichten als Jūjitsu.
Kanō glaubte, dass „Jūjutsu“ seine Kunst nicht ausreichend beschreibt: Obwohl Jutsu „Kunst“ oder „Mittel“ bedeutet, impliziert es eine Methode, die aus einer Reihe körperlicher Techniken besteht. Daher änderte er das zweite Schriftzeichen in Dō, was „Weg“, „Straße“ oder „Pfad“ bedeutet und einen philosophischeren Kontext als Jutsu impliziert und einen gemeinsamen Ursprung mit dem chinesischen Konzept des Dào hat. Daher benannte Kanō es in Jūdō um.
Techniken
Es gibt drei grundlegende Kategorien von Waza im Jūdō: Nage waza, Katame waza und Atemi waza. Jūdō ist vor allem für Nage waza und Katame waza bekannt.
Jūdō-Praktizierende widmen typischerweise einen Teil jeder Trainingseinheit dem Ukemi, damit Nage waza ohne nennenswertes Verletzungsrisiko geübt werden kann. Es gibt mehrere unterschiedliche Arten von Ukemi, darunter Ushiro Ukemi; Yoko Ukemi; Mae Ukemi (前防体, Frontstürze); und Zenpo Kaiten Ukemi.
Die Person, die eine Technik ausführt, wird als Tori bezeichnet und die Person, für die sie ausgeführt wird, wird als Uke bezeichnet.
Nage waza umfasst alle Techniken, bei denen ein Tori versucht, einen Uke zu werfen oder zu Fall zu bringen, normalerweise mit dem Ziel, den Uke auf den Rücken zu legen. Jede Technik besteht aus drei verschiedenen Phasen:
Kuzushi: der Gegner gerät aus dem Gleichgewicht;Tsukuri: Eindrehen und in den Wurf einfügen;Kake: Ausführung und Vollendung des Wurfes.
Nage waza werden typischerweise durch die Verwendung von Uchi komi trainiert, einem wiederholten Eindrehen, wobei der Wurf bis zum Punkt des Kake ausgeführt wird.
Traditionell werden Nage waza weiter unterteilt in Tachi waza, Würfe, die ausgeführt werden, während Tori eine aufrechte Position beibehält, und Sutemi waza, Würfe, bei denen Tori seine aufrechte Position opfert, um Uke zu werfen.
Tachi waza werden weiter unterteilt in Te waza, bei denen Tori vorwiegend ihre Arme verwenden, um Uke zu werfen; Koshi waza, Würfe, die überwiegend eine Hebebewegung aus der Hüfte verwenden; und Ashi waza, Würfe, bei denen Tori hauptsächlich ihre Beine benutzen.
Katame
Katame waza wird weiter unterteilt in Osaekomi waza, bei denen Tori Uke auf dem Rücken auf dem Boden festhält und festnagelt; Shime waza, bei denen Tori versucht, Uke durch Würgen oder Strangulieren zur Unterwerfung zu zwingen; und Kansetsu waza, bei denen Tori versucht, Uke durch schmerzhafte Manipulation seiner Gelenke zur Unterwerfung zu zwingen.
Ein verwandtes Konzept ist Ne waza, bei denen Waza aus einer nicht stehenden Position ausgeführt werden.
Im Wettkampf-Jūdō beschränkt sich Kansetsu waza derzeit auf die Manipulation des Ellenbogengelenks. Manipulation und Blockierung anderer Gelenke finden sich in verschiedenen Kata, wie etwa Katame no kata und Kōdōkan goshinjutsu.
Atemi
Atemi waza sind Techniken, bei denen Tori Uke mit einem Schlag auf einen lebenswichtigen Punkt außer Gefecht setzt. Atemi waza sind außerhalb der Kata nicht erlaubt.
Pädagogik
Randori (freies Training)
Die Jūdō-Pädagogik legt den Schwerpunkt auf Randori. Dieser Begriff umfaßt verschiedene Trainingsformen, deren Intensität je nach Absicht und Erfahrungsniveau der Teilnehmer variiert. Ein Extrem ist der nachgiebige Randori-Stil, bekannt als Yakusoku geiko, bei dem keiner der Teilnehmer den Wurfversuchen des Partners Widerstand leistet. Ein verwandtes Konzept ist Sute geiko, bei dem sich ein erfahrener Jūdōka von seinem weniger erfahrenen Partner werfen läßt. Das entgegengesetzte Extrem zum Yakusoku Geiko ist der harte Randori-Stil, der den Wettkampfstil des Jūdō nachahmt. Obwohl hartes Randori der Eckpfeiler des Jūdō ist, halten Traditionalisten eine Überbetonung des Wettkampfaspekts für unerwünscht, wenn die Absicht des Randori eher darin besteht, zu „gewinnen“, als zu lernen.
Kata (Formen)
Kata sind vorgegenbene Techniken. Im Jūdō werden sie, mit Ausnahme von Elementen des Seiryoku zen'yō kokumin taiiku">Seiryoku zen'yō kokumin taiiku, alle mit einem Partner geübt. Ihr Zweck besteht darin, die Grundprinzipien des Jūdō zu veranschaulichen, die korrekte Ausführung einer Technik zu demonstrieren, die philosophischen Grundsätze des Jūdō zu vermitteln, das Üben von Techniken zu ermöglichen, die im Randori nicht erlaubt sind, und alte Techniken zu bewahren, die historisch bedeutsam sind, aber im modernen Jūdō nicht mehr verwendet werden.
Es gibt zehn Kata, die heute vom Kōdōkan anerkannt werden:
Randori no kata, bestehend aus zwei Kata: Nage no kata Fünfzehn Würfe, sowohl für Links- als auch für Rechtshänder geübt, jeweils drei aus den fünf Kategorien von Nage Waza: Te waza, Koshi waza, Ashi waza, Mae sutemi waza und Yoko sutemi waza. Katame no kata. Fünfzehn Techniken in drei Fünfergruppen, die die drei Kategorien von Katame Waza veranschaulichen: Osaekomi waza, Shime waza und Kansetsu waza. Kime no kata. Zwanzig Techniken, die die Prinzipien der Verteidigung in einer Kampfsituation veranschaulichen und aus kniender und stehender Position ausgeführt werden. Angriffe werden unbewaffnet und bewaffnet mit Dolch und Schwert ausgeführt. Diese Kata verwendet Atemi waza, Schlagtechniken, die im Randori verboten sind.Kōdōkan goshinjutsu. Die jüngste anerkannte Kata umfasst einundzwanzig Techniken zur Verteidigung gegen Angriffe eines unbewaffneten Angreifers und eines mit Messer, Stock und Pistole bewaffneten Angreifers. Diese Kata beinhaltet verschiedene Jūjutsu-Techniken wie Handgelenksgriffe und Atemi Waza.Jū no kata. Fünfzehn Techniken, angeordnet in drei Fünfergruppen, demonstrieren das Prinzip des Jū und seinen korrekten Einsatz in Angriff und Verteidigung.Gō no kata. Eine der ältesten Kata, bestehend aus zehn Formen, die den effizienten Einsatz von Kraft und Widerstand veranschaulichen. Heutzutage nur noch selten praktiziert. Itsutsu no kata. Eine fortgeschrittene Kata, die das Prinzip des Seiryoku Zen'yō und die Bewegungen des Universums veranschaulicht. Die Kata geht auf die Entstehung des Kōdōkan zurück und hat ihren Ursprung im Tenjin Shinyō-ryū. Koshiki no kata. Diese vom Kitō-ryū Jūjutsu abgeleitete Kata war ursprünglich dazu gedacht, mit einer Rüstung ausgeführt zu werden. Kanō beschloss, es zu bewahren, da es die Prinzipien des Jūdō verkörperte. Seiryoku zen'yō kokumin taiiku. Eine Reihe von Übungen zur Entwicklung des Körperbaus für Jūdō. Joshi goshinhō. Eine Übung, die 1943 abgeschlossen wurde und deren Entwicklung von Nangō Jirō, dem zweiten Kōdōkan-Präsidenten, angeordnet wurde.
Darüber hinaus gibt es eine Reihe häufig geübter Kata, die vom Kōdōkan nicht anerkannt werden. Zu den gebräuchlicheren Kata gehören:
Go no sen no kata Eine „Kata“ präventiver Gegentechniken, von der einige behaupten, sie habe ein Erbe von der Waseda-Universität in Tokio. Das Formular ist kaum mehr als Standardzähler, die durch ein Protokoll ergänzt werden. Darüber hinaus gibt es weder einen universellen Standard noch einen akzeptierten Referenztext. Die Übung ist in Japan unbekannt und wurde im Westen von Mikinosuke Kawaishi populär gemacht. Nage waza ura no kata. Eine viel elegantere und kohärentere Kata der Gegentechniken, erstellt von Mifune Kyūzō. Katame waza ura no kata eine Kata von Gegenangriffen auf Kontrolltechniken, zugeschrieben Kazuo Itō.