Hijaa Machuu
Zwei Higa Peichin's oder mehr?
Es gibt zwei historisch verbürgte Higa Pēichin.
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Der Erste (1663–1738) war ein begnadeter Go-spieler. Er begleitete im Jahre 1682 König Shō Tei尚貞 (1645–1709) auf dem Tributsbesuch bei Shôgun Tokugawa Tsunayoshi将軍徳川綱吉. Nachdem das Ruuchuu kuku琉球國 - das Königreich Ryūkyū - 1609 durch die Invasion der Satsuma han薩摩藩 faktisch in japanische Hände fiel und damit die Könige von Ryūkyū zu Vassallen wurde, kam es auf 1634, 1682 und 1710 zu ersten erwähnten Goduellen, zwischen Okinawanischen und japanischen Meistern. Das Duell 1682 bestritt Higa Pēichin auf ausdrücklichen Wunsch und bat dafür schriftlich um Erlaubnis beim Shogun. Er trat gegen Nago Ôji Chôgen an und verlor.
Verschiedene Quellen, unter anderen im Buch Ryukyu Kobudo Taikan von Shinken Taira平信賢, meinen, daß er, zeitlich stimmig, Schüler des chinesischen Gesandten Zhang Xue Li, welcher in Kuninda residierte. Dieser gehörte zu einer botschaftlichen Gesandtschaft der Qīngcháo清朝, welche von Wang Ji汪楫 angeführt wurde. Wang Ji, Schriftgelehrter und Poet, lehrte den Edelleuten in Tumai泊 Báihèchuán白鶴拳. Sein offizelles Vermächtnis ist eine (wahrscheinlich von seinen Schülern kreierte) Form Wanshū腕秀. Sein inoffizelles Vermächtnis ist weitaus größer und tiefgreifender, da er seinen Stil vermutlich vollständig weitergab und damit die bestehende Kampfkunst in Okinawa maßgeblich veränderte und ihre Entwicklung beeinflußte. Unter seinen Schüler befand sich sicherlich auch Hijaa Machuu, welcher selbst nicht nur eine Stockform, eine Saiform und eine Tunfaform mit eindeutigem Báihèchuán-Hintergrund weitergab, sondern auch die ursprüngliche Sanchin, Tsuki no Kata und die Form "Ekkin kyō Daruma" - ein Version des Yìjīnjīng易筋經, deren Spuren noch heute in den Formen des Okinawanischen Karate zu finden sind.
Hijaa Machuu gab seine Wissen sicherlich innerhalb der Familie weiter und außerdem an Takahara Pēichin高原親雲上 (1683-1760). Dieser war wohl auch ein Schüler von Yara Guwa Ueekata高原親雲上 (1668–1756), welcher fast gleichaltrig mit Machuu war und bei einem Wong Chung-Yoh Kampfkunst erlernte. Wong Chung-Yoh war ein zwar Meister des Xíng Yì Chuán形意拳, aber es kann davon ausgegangen werden, daß er wesentlich mehr lehrte. Yara Ueekata erlernte bei ihm z.B. eine Stock- und eine Saiform.
Ob es sich bei Wang und Wong um die selbe Person handelte, ist nicht nachzuvollziehen.
Der zweite, erwähnte Hijaa Machuu lebte von 1790 – 1870 und sorgt deshalb für Verwirrung in der Karatewelt. Denn es gilt als allgemeiner Konsens, daß Hijaa Machuu der Lehrer von Takahara Pēichin war, aber angesichts seines Lebenszeitraumes nicht sein kann, da bei seiner Geburt Takahara schon dreißig Jahre tot war.
Dabei liegt des Rätsels Lösung offen auf der Hand: Der Hijaa Machuu, der Zweite war ein Nachfahre der vielleicht 5. Folgegeneration. Was spricht dafür? Die Kampfkunst wurde in vollständiger Form nur innerhalb der Familie weitergegeben, oft war es das Erstgeborenenrecht. Aber auch der Pēichin-Titel war erblich. Sein Kind nach dem Großvater zu nennen oder die Angewohnheit innerhalb des Dorfes den Sptznamen des Großvaters bzw. Vaters weiter zu verwenden (auch wenn dieser nicht mehr zutrifft), ist weltweit so verbreitet, daß es nicht außergewöhnliches darstellt.
Das bedeutet, im Umkehrschluß, daß es mehr als einen, vielleicht sogar eine ganze Reihe von Hijaa's gab.